Wir haben diese Initiative gegründet, weil wir das Verhalten des offiziellen Österreich gegenüber Flüchtlingen nicht länger schweigend hinnehmen wollen

“GEGEN UNMENSCHLICHKEIT” IST EINE INITIATIVE VON

Ernst Löschner, ehemaliger Bankdirektor, Vorstandsvorsitzender Alpine Peace Crossing: “”Kein schöner Land!”, wird bei uns gerne gesungen. “Wer klopfet an?”, wird gefragt.
Die Realität gegenüber den Menschen, die bei uns Schutz suchen, ist eine menschenverachtende.
Regierung und Parlament schaffen dazu den gesetzlichen Rahmen für Angst, Ausgrenzung und Abschiebung…

» Lesen Sie mehr über die Beweggründe für den Aufruf…

Michael Kerbler, Redakteur und Journalist, Stellvertr. Vorstandsvorsitzender Alpine Peace Crossing: “Eine besonders perfide Form der Unmenschlichkeit ist die Gleichgültigkeit. Wegzuschauen ist so einfach. Unsere Gleichgültigkeit entzieht anderen Menschen das, was uns eigentlich ausmachen sollte: Humanität. Wir dürfen nicht vergessen: Jedes Jahr kommen zwischen eintausend und zweitausend Menschen beim Versuch, nach Europa zu gelangen, ums Leben. Die EU investiert enorme Mittel in den Ausbau des Grenzschutzes und in Grenzkontrollen und riskiert damit, dass Flüchtlinge immer höhere Risiken auf sich nehmen müssen, um in Europa Schutz zu finden. Es muss uns klar sein: Gleichgültigkeit ist der Freund des Feindes, der politisch Andersdenkende verfolgt, der das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung unterdrückt, der das Menschenrecht auf ungehinderte Religionsausübung auslöscht. Gleichgültigkeit ist immer der Freund des Feindes. Es ist immer der Aggressor, der von unserer Gleichgültigkeit profitiert, und niemals die Opfer, deren Leid wir vergrößern, wenn wir sie ignorieren.”

 

Diese Initiative wurde gemeinsam mit den im Abschnitt Petition genannten Trägerorganisationen gegründet. Nach Ende der Online-Unterstützungsmöglichkeit ging die Trägerschaft auf „Agenda Asyl“ über. Agenda Asyl ist ein Zusammenschluss von: Asylkoordination, Diakonie Österreich, Integrationshaus, SOS Mitmensch und Volkshilfe Österreich. Für die Fortsetzung der Arbeit im Sinne der Petition wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, der neben den beiden Initiatoren weitere NGOs angehören, die schon bisher beim Aufruf mitgearbeitet haben. (Eine Erweiterung dieser Arbeitsgruppe ist grundsätzlich möglich.)

In dieser Arbeitsgruppe arbeiten derzeit die folgenden 11 Organisationen zusammen:

Reinhard Dörflinger, Vorstandspräsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich: “In unseren Hilfsprogrammen versorgt Ärzte ohne Grenzen Migranten nicht nur auf den Transitrouten, sondern auch an den Rändern Europas. Wir haben oft aufgezeigt, wie die Bedingungen, unter denen die Menschen oft leben, körperlich und seelisch krank machen. Die europäischen Staaten müssen zur Kenntnis nehmen, dass sie zu Krankheit und Leid beitragen, wenn sie unerwünschte Menschen mit allen Mitteln fernhalten.”

Mario Thaler, Geschäftsführer Ärzte ohne Grenzen: “Viele Asylsuchende haben in ihren Herkunftsländern und auf dem Weg nach Europa einen wahren Albtraum aus Gewalt und Mißbrauch durchlebt. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind oftmals Zeugen dieses Leidensweges und leisten medizinische Hilfe, wo es möglich ist. Es gehört auch zu unserer Aufgabe die österreichische Bevölkerung sowie die Politik an die Schicksale dieser Menschen zu erinnern und einen anständigen und menschlichen Umgang mit allen Asylsuchenden einzufordern!”

Anny Knapp, Obfrau des Vereins asylkoordination österreich: Um gegen die Festung Europa anzukämpfen und die Mauern um die Herzen und Hirne zu überwinden, brauchen wir starke Allianzen, die Druck auf die Entscheidungsträger ausüben, Steine ins Rollen bringen, um die systematischen Mängel im österreichischen und Europäischen Asylsystem beseitige zu schaffen.

Herbert Langthaler, Rassismus-Experte der asylkoordination österreich: Wie die EU mit Schutzsuchenden umgeht ist ein Skandal: An den Grenzen sorgt ein hochgerüsteter Apparat dafür, dass niemand nach Europa kommt. Jährlich ertrinken hunderte Menschen beim Versuch doch in die EU zu kommen im Mittelmeer. Für Fluchthelfer müssen Flüchtlinge tausende Euro aufwenden. Statt Aufnahme und Schutz erleben Schutzsuchende Misstrauen, Isolierung, systematische Desintegration und ständige Angst vor Deportationen. Asylrecht ist Menschenrecht, wenn es die Regierenden brechen, müssen wir BürgerInnen dafür sorgen, dass es eingehalten wird.

Michael Chalupka, Direktor Diakonie Österreich: “Für ein Leben in Würde sind Selbstbestimmung und Autonomie wesentlich. Menschen müssen auch während ihres Asylverfahrens die Möglichkeit bekommen, zu arbeiten und dafür Geld zu verdienen. Außerdem muss es möglich sein, dass Asylsuchende in erreichbarer Nähe zu Versorgungszentren wohnen und sich selbst versorgen können. Verantwortung kann man nicht abschieben!”

Christoph Riedl, Geschäftsführer Diakonie Flüchtlingsdienst: “Europa und Österreich können sich nicht als Insel betrachten und so tun, als würden sie Zustände, die weltweit zu Verfolgung und Flucht von Menschen führen, nichts angehen. Nicht Abschottung und die Errichtung von noch höheren Mauern kann daher die Antwort sein, sondern solidarische Aufnahme von verfolgten Menschen. Verantwortung kann man nicht abschieben!”

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Eva Kern, Geschäftsführerin Don Bosco Flüchtlingswerk: “Menschen, die flüchten, tun dies aus begründeter Angst. Niemand würde seine Familie, Freunde, alles Vertraute hinter sich lassen, um eine lebensgefährliche Flucht auf sich zu nehmen. In Politik und Medien sind Flüchtlinge oft Spielball und dieser Umstand führt zu erhöhter Angst in der Bevölkerung vor allem Fremden. Asyl ist kein Gnadenakt. Wir haben die Genfer Flüchtlingskonvention unterschrieben kurz nachdem wir selbst Krieg im eigenen Land hatten. Wir sind allesamt Menschen und müssen dies, im Sinne der Solidarität, mit Worten und Taten unter Beweis stellen.”

Rudolf Decker, ehrenamtlicher Mitarbeiter Don Bosco Flüchtlingswerk: “Wir können es nicht hinnehmen, dass sich die österreichische Politik und die europäische Staatengemeinschaft aus ihrer eigenen Verantwortung stehlen, indem sie diese Flüchtlinge abfällig wie Menschen dritter Klasse behandeln, die ihren Lebensunterhalt auf Dauer mit einem Bruchteil des sozialen Grundeinkommen bestreiten sollen, oder diesen unter Umständen sogar verlieren.”

Ute Bock:“Die grundsätzliche Einstellung Flüchtlingen gegenüber müsste sich ändern. Es hat sich ja keiner ausgesucht, wo er geboren wird. Es ist ein Zufall, dass wir hier sind und die anderen dort.
Ich bin Erzieherin und nicht Polizist oder Richter. Meine Aufgabe ist es, jungen Menschen zu einer Ausbildung oder einer Arbeit zu verhelfen und sie zu unterstützen, ein einigermaßen lebenswertes Leben führen zu können. Für mich müsste jeder Mensch dieselben Möglichkeiten und Chancen haben. Ich glaube nicht, dass es klug ist, eine Gruppe von Unzufriedenen und Benachteiligten zu schaffen. Selbst wenn es einmal so sein sollte, dass diese Menschen in ihre Heimat zurückkehren können oder müssen, ist es besser, sie haben hier etwas gelernt, sind hier gut behandelt worden und können das hier Erfahrene in ihre Heimatländer mitnehmen, als sie sind Unzufriedene, die das Gefühl haben, zu kurz gekommen zu sein, sind Alkoholiker, Drogenabhängige und Kriminelle.

Christian Penz: Dem z.T. endlosen Verharren von AsylwerberInnen in gezwungener Untätigkeit muss definitiv ein Ende gesetzt werden. Jahrelanger Aufenthalt ohne Perspektiven führt zu Frustration, Antriebslosigkeit und bringt zweifelsohne enorme psychische Belastungen mit sich. Adäquate Änderungen in der Asylgesetzgebung sind zwingend notwendig, um auch fremden Menschen die Möglichkeit zu geben, an der Gesellschaft teilhaben zu können und nicht an den Rand gedrängt zu werden. Aus meiner Sicht gibt es kein plausibles Argument dafür, das Zugangsverbot zum Arbeitsmarkt weiterhin aufrecht zu erhalten, weder aus ökonomischer Sicht, noch aus sozialpolitischer Betrachtungsweise.

Andrea Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin Integrationshaus: “Geben wir Flüchtlingen eine Zukunft! Kämpfen wir für menschliche Gesetze und faire Aufnahmebedingungen.”

Nikolaus Heinelt, Öffentlichkeitsarbeit und Eventmanagement Integrationshaus: “Natürlich bin ich gegen Unmenschlichkeit! Wer sollte auch dafür sein? Beschämend, dass man das derzeit in Österreich betonen muss, beim Blick auf die derzeitige Flüchtlingspolitik.”

Doron Rabinovici, Schriftsteller, Essayist und Historiker, Sprecher Republikanischer Club: “Der Flüchtling wird hierzulande schlechter behandelt als jeder Verbrecher. Für ihn gilt keine Unschuldsvermutung wie etwa für jene, die den Staat und die Allgemeinheit um Millionen betrügen. In den Polizeilichen Anhaltezentren wird jenen, die um Asyl ansuchten, zugemutet, was kein Krimineller in einem Gefängnis mehr ertragen muß. Wenn wir in Österreich das Recht auf Asyl einschränken, machen wir uns mit den Verfolgern andernorts gemein. Indem wir den Flüchtling zur Gefahr erklären, mißachten wir nicht nur sein Menschenrecht, sondern auch unseres. Das Recht auf Asyl erst verbürgt das Menschenrecht jenseits nationaler Grenzen. Es setzt ein, wenn das Individuum im eigenen Land nicht mehr geschützt ist, und wo es ausgehöhlt wird, ist der Anspruch aller auf humane Mindeststandards geschwächt.”

Sibylle Summer, Vorstandsmitglied Republikanischer Club: “Eine Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie sie mit den Menschen umgeht, die ihren Schutz benötigen.”

Romy Grasgruber, Vorstandsmitglied SOS Mitmensch: “Wir leben in turbulenten Zeiten, die nach Solidarität und Mitmenschlichkeit verlangen. Weltweit sind zahlreiche Menschen gezwungen ihre Heimat zu verlassen, um ihr Leben zu schützen. SOS Mitmensch fordert daher, dass die österreichische Politik Maßnahmen setzt, um ein würdevolles Leben für alle in Österreich lebenden Menschen – inklusive derer die flüchten mussten – zu gewährleisten. Ein erster wichtiger Schritt ist eine umfassende Arbeitserlaubnis für AsylwerberInnen nach 6 Monaten Aufenthalt.”

Alexander Pollak, Sprecher SOS Mitmensch: “Verabschieden wir uns endlich von der Vorstellung, dass Asylsuchende halbe Menschen sind, die mit der halben Mindestsicherung, einem Viertel Zugang zu Bildung, einem Achtel Zugang zu Arbeit und mit null Sicherheit und Entscheidungsfreiheit auskommen.”

Josef Weidenholzer, Präsident Volkshilfe Österreich, Präsident des europäischen Netzwerks solidar, Professor für Gesellschafts- und Sozialpolitik: “Flüchtlingsschutz heißt nicht Schutz vor Flüchtlingen, sondern Schutz für Flüchtlinge. Wir brauchen mehr Solidarität durch eine gemeinsame europäische Asylpolitik, die Rechte und Standards für Asylsuchende sicherstellt.”

Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer Volkshilfe Österreich: “Die verordnete Arbeitslosigkeit bedeutet für Asylsuchende eine Verschärfung von Armut und den gesellschaftlichen Ausschluss. Für ein Leben in Würde sind Selbstbestimmung und Autonomie wesentlich. Wir fordern einen effektiven Zugang zum Arbeitsmarkt  und eine Verbesserung der Grundversorgung. Setzen wir gemeinsam ein Zeichen für einen Kurswechsel in der Asylpolitik!”

Claudia Schäfer, Geschäftsführerin und Leiterin Öffentlichkeitsarbeit ZARA: “Beschränkte Partizipationsmöglichkeiten, wie sie beispielsweise durch den Aufenthaltstitel bestimmt werden, erschweren das Zusammenkommen aller in Österreich lebenden Menschen – wer nicht arbeiten darf lernt sich auch nicht am Arbeitsplatz kennen. Das manifestiert die Unterscheidung in „Wir“ und die „Anderen“. Asylsuchende sind dieser Trennung durch die wenigen Möglichkeiten, sich aktiv ins gesellschaftliche Leben einbringen zu können, in besonderem Maße ausgesetzt. Sie werden dadurch noch einmal Opfer, nämlich das einer zusätzlichen Stigmatisierung als „SozialschmarotzerIn“ und anderen negativen Zuschreibungen. Diese Stigmatisierung leistet Alltagsrassismus und rechten Parolen Vorschub und verhindert ein solidarisches Miteinander. Deshalb fordere ich einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik, der Asylsuchenden echte Chancen zur gesellschaftlichen Teilhabe sowie einen menschenrechtswürdigen Umgang und Aufenthalt garantiert. Unterzeichnen Sie den Aufruf!”

Dina Malandi, juristische Mitarbeiterin Beratungsstelle ZARA: “Menschen, die aufgrund der Umstände in ihrem Heimatland gezwungen sind, zu flüchten und ihr Leben in einem anderen Land neu aufzubauen, sollten in Österreich auch die Chance dazu haben. Ein faires und korrektes Asylverfahren sowie die Möglichkeit, regulär arbeiten und sich weiterbilden zu dürfen, um hier möglichst bald ein menschenwürdiges und gleichberechtigtes Leben führen zu können – ein Leben, auf das jeder Mensch, egal welcher Herkunft oder Hautfarbe, ein Recht hat – ist für Asylsuchende daher von größter Wichtigkeit.”

 

 

Teamverantwortung

 

Initiatoren: Ernst Löschner und Michael Kerbler

Personenkomitee und solidarische Organisationen:

Ernst Löschner, Michael Kerbler, Christoph Riedl, Nikolaus Heinelt, Eva Kern

Hintergrundinformationen zum Aufruf:

Anny Knapp, Alexander Pollak

Webpage:

Willi Svoboda, Alexander Pollak, Ernst Löschner

Facebook:

Karin Brandstötter, Martina Gasser, Simone Hudritsch

Logo und Graphik:

Maria Prieto Barea, Romana Eigl

Presse:

Matthias Schickhofer, Michael Kerbler

Koordination Gegen Unmenschlichkeit:

Andrea Pollach

Koordination der Trägerorganisationen:

Ernst Löschner (für APC), Mario Thaler (für Ärzte ohne Grenzen), Anny Knapp (für Asylkoordination), Christoph Riedl (für Diakonie), Eva Kern (für Don Bosco Flüchtlingswerk), Andrea Eraslan-Weninger und Nikolaus Heinelt (für Integrationshaus), Doron Rabinovici (für Republikanischer Club), Alexander Pollak (für SOS Mitmensch), Verena Fabris (für Volkshilfe), Claudia Schäfer (für ZARA).

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